Ein bisschen Normalität für Spanien

29.04.2020

Erfahrungsbericht

Ein bisschen Normalität für Spanien

Endlich wieder frische Luft: Zum ersten Mal seit sechs Wochen dürfen in Spanien Familien mit ihren Kindern wieder vor die Tür, wenn auch mit Einschränkungen. Silja Bülk, International Key Account Manager bei lichtbasis, lebt mit ihrer Familie im Norden von Madrid.

In den sechs Wochen habe ich festgestellt: Zeit ist Luxus. Zeit für die Familie zu haben, Zeit miteinander zu reden, gemeinsam zu kochen, Spieleabende zu veranstalten. Das ist der schöne Teil von Corona. Das anfängliche Chaos, die Umstrukturierung innerhalb der Familie und der Arbeit waren hingegen nervenzehrend.

Auf einmal war Madrid ein Hotspot der Pandemie

Zuerst traf es Italien, dann wurden deutsche Touristen von den Kanarischen Inseln zurückgeholt und plötzlich waren wir Zentrum der Pandemie in Spanien. Meine beiden Söhne hatten vor genau sieben Wochen ihren letzten Schultag, die Läden sind geschlossen. Keine Spaziergänge, keinen Sport und vor allem für die Kinder keine Möglichkeit, sich draußen zu bewegen und zu spielen. Nur Einkaufen und mit dem Hund Gassi gehen waren für Erwachsene noch erlaubt.

Neustrukturierung in den eigenen vier Wänden

Ich bin es gewöhnt, im Home Office zu arbeiten. Mein Mann hat sich nun auch zu Hause seinen Arbeitsplatz eingerichtet und die Kinder erhalten am Vormittag via Tablet ihren Unterricht und ihre Hausaufgaben. Das lief nicht von Anfang an so glatt. Die Schule war nicht darauf eingestellt, von heute auf morgen den Lehrplan online abzuhalten. Dazu kam, dass auch das Lehrpersonal von Corona betroffen war. Anfangs hat mein Sohn E-Mails mit Hausaufgaben von vier verschiedenen Lehrern bekommen. Wenn dann noch Schüler Fragen via E-Mail stellten, gab es einen riesigen E-Mail-Verlauf und ein 10-jähriges Kind kann sich nicht ohne weiteres seine E-Mails selbst organisieren und strukturieren.

Das läuft nun seit Ostern besser. Die Schule arbeitet mit einem neuen Tool, mit dem die Lerninhalte viel besser und einfacher abzurufen sind. Es gibt Unterricht in den Hauptfächern, dazu sogar Kunst und Sport. Meine Mutter unterstützt uns, indem sie jeden zweiten Tag anruft und meinen Söhnen per Facetime Klavier- und Geigenunterricht gibt. Oder sie musizieren einfach zusammen.

Das Experiment Haare schneiden hat auch geklappt – bei uns läuft es also wirklich gut.

Mein Arbeitsalltag hat sich zwar verändert, aber alle Kunden bereiten sich auf die Eröffnung vor

Heute wäre ich in Peru gewesen, um bei der Installation einer neuen Beleuchtungsanlage für einen Retail Kunden dabei zu sein. Dieser Termin wurde gecancelt, ebenso wie meine anderen Kundentermine - ich hätte in zwei Wochen fünf Länder bereist. Da ich aber auch viele Kunden in Lateinamerika habe, hatte ich anfangs einen Zeitbonus, weil die Pandemie dort später ausgebrochen ist. In Peru arbeitet die Planungsabteilung mittlerweile komplett im Home Office und hat einen Eröffnungsstopp, Chile hat in der Krise sehr schnell und agil reagiert und strenge Maßnahmen geschaffen.

Trotzdem sind die Shops optimistisch und bereiten sich auf die Eröffnung vor. Man erwartet einen hohen Kundenandrang, sobald die Quarantäne aufgehoben ist. Die Angst vor einer 2. Welle schwingt dabei natürlich mit.

In Madrid sind die Menschen zuversichtlich – mich eingeschlossen

Es hat sich aber gezeigt, dass Madrid ein gutes Management hat und hier eine Solidarität herrscht, die beeindruckt. Zu Beginn der Pandemie wurde unser Messegelände zu einem Krankenhaus mit 5.000 Betten und 500 Intensivbetten umfunktioniert. Man hat an Handwerker einen Aufruf gestartet, bei der Installation zu helfen und was war das Ergebnis? Handwerker standen Schlange (mit anderthalb Metern Abstand ;-)), um zu unterstützen und das Krankenhaus war innerhalb von zwei Wochen fertiggestellt. Wow.

Ich bin psychisch mittlerweile an dem Punkt, dass ich sage: „Jetzt reicht es.“ Natürlich entscheiden nicht wir das, aber ich denke, wir sind uns alle einig, dass es weitergehen muss. Für die Wirtschaft, für uns alle. Es wurde in Aussicht gestellt, dass die Schulen stufenweise wieder öffnen werden und wir hoffen sehr auf weitere Lockerungen. Am Sonntag war ich zum ersten Mal wieder mit meinen Kindern draußen Fahrrad fahren, das war unglaublich schön.

Ich bin auch zuversichtlich, dass wir mit lichtbasis gestärkt aus der Krise hervorgehen werden. Wir haben das richtige Team, die richtigen Produkte und die richtige Einstellung.

 

Silja Bülk, International Key Account Manager bei lichtbasis

Silja_Buelk